Wovenhand: Silver Sash – Albumreview

Wovenhand Silver Slash Cover Glitterhouse Records

Nach sechs Jahren Pause endlich was Neues von Wovenhand

Wovenhand existieren seit 2001 und haben seit dieser Zeit diverse Häutungen hinter sich gelassen. Entstanden während einer Pause seiner damaligen Hauptformation 16 Horsepower, definierte Projektleiter David Eugene Edwards (aka DEE) Wovenhand als sein Soloprojekt mit wechselnden Gästen – das konnte einer sein oder mehrere.

16 Horsepower sind inzwischen längst Geschichte, Wovenhand wiederum veröffentlichen nun mit „Silver Sash“ ihr neuntes Album und liegen veröffentlichungstechnisch nun gleichauf mit ihrem Vorgänger. Hier wie da offeriert DEE mit seinen Mitstreitern seine einzigartige Version dunkler Americana, die deutlich vom britischen Postpunk geprägt ist wie vom Folk oder Blues seiner Heimat, sowie von der australischen Art der Verarbeitung solch uramerikanischer Sounds und Mythen. Algorithmen von Streaming Diensten oder Internethändlern neigen von daher dazu, Interessenten am Werk DEEs auch alles um Nick Cave und seinen Bad Seeds zu empfehlen und liegen damit nicht falsch. DEEs Mitwirkung an der Reinkarnation der Aussie-Rock-Legende Crime & The City Solution 2013 stützt solche Empfehlungen.

Eine Zäsur in Sound und Auftreten bei Wovenhand gab es vor knapp 10 Jahren

Wovenhand Silver Slash Cover Glitterhouse Records

Seit „The Laughing Stock“ (2012) stehen DEE Musiker der rauhen US-Rockband Planes Mistaken For Stars zur Seite, nämlich Bassist/Gitarrist Chuck French sowie seit 2014 Bassist Neil Keener. Deren zwischen Sludge, Hardcore und Metal liegende Sound färbte hörbar auf den von Wovenhand ab. Konzerte ohne Hörschutz können seitdem fatale Folgen haben. Spirituell veranlagte Metalmusiker hatten schon von jeher ein Faible für die Klänge des aus der „Kirche des Nazareners“ erwachsenen Edwards – selbst extreme Anhänger des Gehörnten oder Paganisten wie Mitglieder von Black Metal-Bands wie Watain, Marduk oder Primordial. Americana-Fans wiederum werden es bedauern, dass viele früher vorhandene Klangfarben  des Christen aus Denver zugunsten einer treibenden Alternative-Rock-Atmosphäre verschwunden sind, selbst wenn die Tonträger die inzwischen vorherrschende Lautheit im Vergleich zu den Konzerten nur ansatzweise präsentieren.

Musikalische Weiterentwicklung in Spurenelementen

Der Gebrauch des Plurals ist dabei kein Fehler, eine Differenzierung der zuletzt erschienenen Platten ist nur in Nuancen möglich, oder anders: Eine musikalische Weiterentwicklung findet nur in Spurenelementen durch mehr Elektronik in Form von unterstützenden, atmosphärischen Synthies statt. Chuck French, der erstmals mitkomponieren durfte, empfindet „Silver Sash“ selber als „unique record for Wovenhand“ und liegt damit nicht ganz falsch. Gerade „8 of 9“ sowie der Titeltrack machen davon extrem Gebrauch und faszinieren ebenso wie das treibende, post-punkige „Omaha“. Das Gros der Novitäten jedoch überrascht wenig und überzeugt trotzdem: Der sakrale Albumeinstieg „Temple Timber“ zum Beispiel oder das wavige „Acacia“; das Americana-Flair von „Duat Hawk“, das auch auf einer 16 Horsepower-Plattte seinen Platz gefunden hätte, oder das tribalistische „Sicagnu“.

Die „noisy Version“

Ausfälle gibt es nicht. Wer Streicher oder Mandolinen vermisst schaut allerdings mal wieder in die Röhre und muss sich damit abfinden, dass diese Zeiten vorbei sind bei Wovenhand. Wer dieser noisy Version etwas abgewinnen kann wird jedoch das Album lieben und sich für die nächste Tour schon mal Ohrstöpsel sichern.

„Silver Sash“ von Wovenhand erscheint am 04.2022 bei Glitterhouse Records. (Beitragsbild: Albumcover)

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